Der Sennhof ist auf den Hund gekommen

Therapiehunde mit Halterinnen
v.l.n.r. Heike Widmer mit Hetija, Nicole Meier mit Muffin, Nathalie Bader mit Aicka, Erika Uebersax mit Sam, Alice Keller mit Bashira

Schon ein wenig Grund, stolz zu sein, dass fünf engagierte Frauen mit ihren Therapiehunden sich regelmässig im Sennhof zum Wohle der Bewohnenden zur Verfügung stellen. Noch nicht alle fünf haben die entsprechende Ausbildung absolviert, doch erfüllen alle die internen Bedingungen, die zu erfüllen sind, um im Pflegeheim Einsatz leisten zu können.
Eigentlich ist die Namensfolge in der Bildlegende nicht ganz korrekt. Zuerst müssten die Hunde genannt werden, dann die Helferinnen, denn der Charakter des Hundes bestimmt als absolutes Kriterium darüber, ob ein Therapieeinsatz möglich ist. Nicht die Halterin, sondern der Hund allein "entscheidet" über die Eignung. Knurrt der Hund während der Evaluation oder Ausbildung, ist der Traum für die Hundehalterin schon geplatzt, denn sie ist "nur" Begleiterin - die allerdings sehr einfühlsam auf den Hund reagiert, seine Blicke, sein Verhalten richtig deuten muss. Die Einsatzdauer ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Besuche können von 15 Minuten bis zu einer Stunde dauern. Der Therapiehund ist nicht einfach ein "Tscholi", mit welchem man machen kann was man will. Der Einsatz bedeutet für den Hund Schwerstarbeit, denn bei der Interaktion zwischen ihm und dem Bewohnenden fliesst enorm viel Energie. Umso wichtiger also, den Hund nicht zu überfordern, sondern zu spüren, wenn er an seine Grenzen stösst und der Besuch beendet werden muss. Die Einsatzdauer ist somit sehr abhängig vom Zustand und Verhalten des Bewohnenden.
So darf seitens des Bewohnenden weder Abneigung noch Angst vorhanden sein. Auslöser dafür sind oft negative Kindheitserinnerungen, z.B. an einen Hundebiss. Hier zeigt sich einmal mehr die Wichtigkeit einer sorgfältigen Erfassung der Biographie der einzelnen Bewohnenden.
Neben Einzeltherapie werden auch Einsätze in Gruppen geleistet. Hier stehen spielerische Tätigkeiten, wie z.B. ein Plüschtier werfen, im Vordergrund. Die meisten Bewohnenden reagieren auf die Anwesenheit von Haustieren in einem Pflegeheim schon grundsätzlich positiv. Therapiehunde sind darüber hinaus besonders gern gesehene "Gäste". "Ich habe öfters das Gefühl, es werde für mich und meinen Hund der rote Teppich ausgelegt", äusserte eine Halterin.
Die Einsätze werden von der Leiterin der freiwilligen Arbeit, Astrid Bär, organisiert, mit dem Pflegebereich abgesprochen und koordiniert. Wie alle im Sennhof freiwillig Tätigen haben auch die Hundehalterinnen eine Einsatzvereinbarung unterzeichnet, die unter anderem einen Verhaltenskodex beinhaltet.
Wie sich die positive Wirkung von Therapiehunden äussert, ist sehr individuell. Die Reaktionen reichen von überraschender Kontaktaufnahme eines sonst in sich gekehrten Menschen mit erstarrtem Blick bis zu Streicheln, Umarmen und lustvollem Spielen mit dem Tier. Manchmal darf der Hund auch auf dem Bett liegen. Plötzlich bewegen sich Menschen wieder aktiver wie mit neuer Lebenskraft. Das Spüren von Nähe und Wärme wirkt auch beruhigend, so dass manche Bewohnende in der Nacht wieder ruhiger schlafen. Solche positiven Erfahrungen motivieren die fünf Frauen (zwei davon Mitarbeitende im Sennhof) dazu, mit ihren Hunden in ihrer Freizeit Bewohnenden Zeit zu schenken.
uws

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